Improvisation: Tipps von Andrew Wasson und David Wallimann
Januar 8th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar
Kennt ihn jemand noch nicht? Andrew Wasson, einer der Gitarrenlehrer aus Youtube, Student am G.I.T. in Los Angeles, Gründer des Creative Guitar Studio? Er ist wirklich ein pädagogisches Wunder, was die Gitarre und alles drumherum angeht, und hat noch dazu ein sehr großes Kompetenzfeld.
Wöchentlich beantwortet er von Gitarristen per eMail eingesandte Fragen zu den verschiedensten Spielstilen, Bereichen in der Musiktheorie oder zu Equipment.
Im Folgenden möchte ich einige seiner Tipps zur Verbesserung der Improvisation zusammenfassen. Die meisten Punkte finden sich in seinem Video “Breakthrough for Troubled Improvisors“.
- Vieler Dinge Anfang ist Theorie, und Theorie ist häufig grau. Doch man kommt nicht drumrum. Damit das was wird mit dem Improvisieren, braucht man das Grundwissen über Akkorde, passende Skalen, und wo diese auf dem Griffbrett zu finden sind. Dabei empfiehlt es sich, zu merken, wo alle Grundtöne der jeweiligen Tonart liegen, und dass man sich deren (Oktav)Positionen zueinander einprägt. Außerdem sollte man die Skalen nicht nur senkrecht über das Griffbrett beherrschen, sondern ebenso waagrecht. Dadurch werden Licks, die Techniken wie z.B. Sliding oder Legatospiel erfordern, viel stärker “provoziert”.
- Damit ist auch schon ein nächster Punkt angesprochen: wirklich alles aus der Gitarre rausholen, was technisch möglich ist, das sorgt für unglaublich viel Abwechslung. Seien es jetzt Vibrato, Bending, Pinch/Natural Harmonics, double Stops, pedal notes, palm mutes oder die schon oben erwähnten Sliding und Legato – sie bringen Würze ins Spiel und bringen einen von allzu penetranten Alternate Picking ab.
- Was mir persönlich unglaublich viel gebracht hat und bringt, ist Andrews Tipp, vermehrt “große” Intervalle in sein Spiel zu bringen. Warum man das nicht automatisch macht, sondern meistens Halb/Ganztonschritte oder Terzen spielt? Es ist ganz logisch – man kennt seine Skalenpattern, man hat sie sich durch auf- und abspielen eingeprägt, folglich spielt man von einem Ton ausgehend eher in einem “nahen” Umfeld von fünf, sechs Töne, kommt aber auch nicht auf die Idee, etwa eine ganze Oktave zu überspringen. Denn String Skipping, damit tut man sich anfangs wirklich schwer, außerdem liegen die Töne von Intervallen wie zB Quarte oder Septime oft gleichsam “untereinander” und überfordern die Koordination in der Greifhand. Doch sobald man sich solcher “Schwächen” bewusst ist, entdeckt man auch schon eine Vielzahl an bisher ungenutzten Möglichkeiten.
- Improvisation muss nicht flüchtig sein. Es empfiehlt sich, ein “Repertoire” an Licks aufzubauen, das man in den unterschiedlichsten Impro-Situationen abrufen kann. Dazu gehört natürlich auch, sich eigene Licks zu notieren und “anzueignen”.
- Wenn man meint, an chronischem Ideenmangel zu leiden, schadet es sicher nicht, sich Stücke und Soli bekannter Künstler, ob jetzt aus Jazz, Rock, Metal oder Blues anzuhören, sich davon inspirieren zu lassen, auch, indem man sie transkribiert. Mir ist es schon mehr als einmal passiert, dass ich unbewusst im Stile der Band improvisierte, die die ganze vergangene Woche über in meinem CD-Spieler kreiste.
- Abschließend möchte ich euch noch einen Tipp von David Wallimann mitgeben. Er ist Fusion-Gitarrist, ursprünglich aus Frankreich, momentan allerdings in den Staaten wohnhaft und als Gitarrenlehrer v.a. über die Seiten Guitarmasterclass.com und jamplay.com bekannt. Auf seinem Youtube-Kanal gibt er auch immer wieder nützliche Tipps zu Spiel, Theorie, Effektgeräten, Ausrüstung, … In diesem Video erläutert seine Vorangehensweise für Backing Tracks, also jene “Hintergrundspuren”, die die Sologitarre hervorstechen und fordern, allerdings nicht überfordern sollen. Ein Blick lohnt sich auch jeden Fall!
Ich hoffe, ihr habt auch etwas von dieser mehr oder weniger kurzen Zusammenfassung und könnt sie in euer Spiel einbinden. Die zwei erwähnten Gitarrengenies, Andrew und David, solltet ihr auf jeden Fall im Auge behalten!
Schönes Wochenende noch, Syntaxon
Jazz – aktiv & passiv
Dezember 21st, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Da ich ja auch ein bekennender Death- und Control Denied-Fan bin, ist mir der Name Steve DiGiorgio nicht unbekannt. An dieser Stelle zuerst: RIP Chuck Schuldiner, seid neun Jahren und acht Tagen nicht mehr uns… Danke für die Musik, die du geschenkt hast!
Auch wenn diese Erinnerung keine bloße Randnotiz darstellen soll, jetzt wieder zurück zu Steve. Ein US-amerikanischer Bassist, der u.a. auf den Death-Alben “Human” und “Individual Thought Patterns” sowie auf dem Control-Denied-Werk “The fragile Art of Existence” mit seinem präzisen und durchstechenden Fretless-Bass-Spiel deutlich zum progressiven Charakter der Songs beiträgt. Neben weiteren Tätigkeiten in Metalbands, wie z.B Sadus, Iced Earth oder Testament, gründete er 1992 ein Jazz-Fusion-Projekt namens “Dark Hall” zusammen mit dem Saxophon-/Flötenspieler Flamp Sorvari sowie dem Drummer Chris Dugan. Mit einem Gitarristen ist das Quartett vollständig, Mitte der 90er werden zwei Demos aufgenommen, die gute Kritiken finden. Ich bin über Youtube auf die Band gestoßen – weiche, exotische Instrumentalsongs mit einem prägnanten Bass. Die Demo kann man hier herunterladen: HP von Dark Hall (Demo rechts unter Music).
Desweiteren bin ich bei dem Versuch, meinen Jazz-”Grundwortschatz” zu erweitern, auf Klaus Kauker gestoßen. Der ist 23 Jahre jung, studiert Komposition in Essen und gibt Videolessons auf Youtube zu Grundlagen der Musiktheorie. Mit gefällt besonders das Video über Jazz-Akkorde, das mir die Augen nochmal etwas weiter für die Vielfalt der Variationen, die Jazz bietet, geöffnet hat.
Außerdem habe ich einen Jazz-Seite gefunden, mit einem ganzen Pool von Licks, Standards, Tabs, Portraits von Jazz-Gitarristen und und und… Leider etwas viel Werbung überall, es ist allerdings kein Problem, sich die Tabs als jpg herunterzuladen und auszudrucken.
Bis demnächst,
Syntaxon
30. Eintrag – Halbjähriges – Jazzstandard: Blue Bossa
September 25th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Es war einmal im März 2010, da zog ein Schüler in die Gitarrenblog-Welt ein, nannte sich Syntaxon und gab von da an seinen Senf zu allem Möglichen, was sich um die Gitarre und seine Erfahrung mit diesem mächtigen Instrument drehte. Egal ob Theorie, Praxis, Technik, Equipment, Metal, Rock, Jazz, Blues – selten blieb ein Thema unaangesprochen, das ihn bewegte.
Und so wird es auch hoffentlich bleiben! Genau ein halbes Jahr ist es her, dass ich dieses Tagebuch veröffentlicht habe, und darüber hinaus ist dies mein 30. Blogeintrag!
Heute berichte ich mal wieder von einer Gitarrenstunde bei Karl. Wir vertieften zunächst die dorische Tonleiter, sprachen dann über Akkorde mit Erweiterungen (Septime, None, Undezime, Tredezime) und als wir schon beinahe am Ende angelangt waren, erwähnte ich noch mein Interesse an Jazz-Standards… Also gingen wir gemeinsam “Blue Bossa” von Kenny Dorham durch, ein gängiger Jazz-Standard in C-moll, den vielleicht ein paar von euch schon mal im Ohr hatten (hier eine Version mit Tenorsaxophonist Dexter Gordon):
Die Akkord-Progression ist wie folgt:
Cm7 | Cm7 | Fm7 | Fm7 || Dm7b5 | G7b9 | Cm7 | Cm7 || Ebm7 | Ab7 13 | Db maj7 | Db maj7 || Dm7b5 | G7b9 | Cm7 | Dm7b5 G7b9 |||
Das schaut jetzt sehr verschlüsselt aus, und auch ich wäre ohne Akkorddiagramme aufgeschmissen. Ich werde sie auf jeden Fall noch posten, doch zunächst solls mal in die Theorie gehen. Tonart ist wie gesagt C-moll, also sind die ersten vier Takte paarweise Tonika – Subdominate (IV. Stufe). Dm7b5 ist die II. Stufe der Moll- und damit die VII. Stufe der Durtonleiter. Er ist ein verminderter Akkord und besteht deshalb aus kleinen Terzen (D -Ff – Ab), zu erwähnen ist auch der Tritonus (oder flat five b5) D – Ab. G7b9 ist die Dominante zu C und steht deshalb in Dur, die kleine None (entspricht Oktave + kleine Sekunde) Ab bringt Dissonanz in das Ganze. Man landet auf Cm7, was insgesamt eine II-V-I-Progression in moll darstellt. Es folgt eine II-V-I-Progression in der Tonart Db (ein Ganzton tiefer als die zu Cm parallele Tonart Eb, Info zu dieser Progression auch hier). Schließlich wieder der Abschluss mit bekannten Akkorden. Zum Improvisieren eignen sich c-natürlich-moll, c-harmonisch-moll und Db-Dur (entsprechend Bb-moll). Wie gesagt, das ganze werde ich später noch etwas ausführen, euch so lange viel Spaß beim Spielen und (hoffentlich) dem Lesen der nächsten 30 Einträge!
Gruß, Syntaxon
/edit: Akkorde von Blue Bossa
Cm7 Fm7 Dm7b5 G7b9 Ebm7 Ab713 Dbmaj7 e|--------------------------------------| H|--8----8----6----3----6----6----6-----| G|--8----8----5----1----6----5----5-----| D|--8----6----6----3----4----4----6-----| A|-------8----5----2----6---(6)---4-----| E|--8------------------------4----------|
Übungsplan IV
August 15th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Hallo zusammen,
kaum bringt Macks sein eBook “Fingergymnastik für Gitarristen” raus, habe ich auch schon meinen bisherigen Übungsplan überarbeitet – was für ein Zufall. Ich werde ihn an sechs Tagen einer Woche durchziehen und am siebten ruhen, ach wie biblisch^^. Mein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Verfeinerung meiner Technik, Kräftigung der Finger und Verbesserung der Fingerunabhängigkeit. Ungefähr eine Stunde lang übe ich also Fingerübungen (Alternate Picking, String Skipping, Bending), zwischen zwei solchen Übungen habe ich eine Legatoübung eingebaut. Zur Lockerung spiel ich Akkorde bzw. Akkordwechsel. Ganz wichtig ist jetzt auch das Aufwärmen vorm Training (Handmassage, Finger-/Sehnendehnen). Außerdem übe ich seit etwa zwei Wochen in meinem eigenen Zimmer und nicht mehr am PC, der im Familienarbeitszimmer steht. Weil ich noch zu faul war, den Verstärker umzuräumen, übe ich mit Kopfhörer über meine Pandora PX 4d. Techniken wie Tapping oder gar Sweeping lasse ich erstmal aus, ich möchte mich wirklich auf das technische “Fundament” konzentrieren. Ich merke die Fortschritte auch schon, so verwende ich z.B. Bendings viel häufiger bei Improvisationen als zuvor. Schließlich, um die Theorie noch zu vertiefen, spiele ich die Moll-Tonleiter und Moll-Pentatonik in allen Lagen auf dem Griffbrett.
Ich arbeite gerade auch an einer eigenen Komposition, die meinen gegenwärtigen Stand an der Gitarre wiederspiegeln soll. Sie muss nicht unbedingt perfekt sein, aber ich möchte etwas haben, worauf ich hinarbeiten kann, gerade weil ich sonst wenige Stücke spiele, sondern eher Technikübungen. Zudem schaue ich mich gerade nach einem Gitarrenlehrer um! Dass ich offensichtlich das Autodidakten-Dasein verlassen werde, hat wohl mehrere Gründe: der Wille nach Austausch mit einem kompetenten Ansprechpartner, um sich nicht mehr selbst korrigieren zu müssen, um einen Motivationsschub zu erfahren (nicht dass ich das nötig hätte^^), um (noch) sinnvoll(er) zu lernen, etc. Wenn möglich, möchte ich noch im August mit Unterricht anfangen.
Gestern war ich auf kleiner Einkaufstour – vier Plektren und eine Gitarrenpolitur. Dass ich mein Pick auswechsle, war höchste Zeit. Ich habe sofort gemerkt, wie schärfer und genauer mein Anschlag und somit das gesamte Spiel geworden ist. Das alte Pick war doch einige Zeit in Benutzung und inzwischen recht abgenutzt. Mit der Gitarrenpolitur werde ich meine Gitarre regelmäßig pflegen, sie besteht aus rein natürlich Bestandteilen und ist deswegen gerade für den Open-Pore-Korpus meiner Ibanez S420 geeignet. Allerdings bin ich noch auf der Suche nach einem fusselfreien Baumwolltuch^^…
Was gibts sonst noch zu sagen? Ein neues Riffff wirds heut ausnahmsweise nicht geben – der Ferienjob bei der Stadtjugendpflege spannt mich doch so ein, dass neben Üben und Jammen wenig Platz für ein paar Transkriptionen bleibt. Aber es wird wieder was vorgestellt werden, vielleicht von Akrea, Death oder Warbringer…
Machts gut,
Syntaxon
Wochenrückblick IV
Juni 15th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar
Servus miteinander,
knapp drei Wochen spiele jetzt auf meiner neuen Ibanez S420 – ein Eingewöhnungs- und Umstellungszeit. Unterschiede zu meiner “alten” oder ersten Gitarre gibts zahlreiche: wie so oft erwähnt das Gewicht und der Tremolo einerseits, andererseits ist die Saitenlage ungewöhnlich hoch und auch die Bundstäbchenhöhe größer – jetzt bin ich natürlich am überlegen, wie damit am besten umzugehen ist – einfach akzeptieren, Bünde abschleifen/Steg tiefer setzen lassen oder umtauschen…?
Kennst du denn spürbare Unterschiede zwischen Jumbo und Medium Frets?
Mein Jazz-Wissen auf Vordermann gebracht hat neulich diese Videolesson bei Guitarmasterclass.com: Klick! Anschaulich und Schritt für Schritt erklärt, wie man auf einer Durtonleiter Jazzakkorde aufbaut. Durch die anderen 14 Jazzlessons dieses Lehrers (s. Main-Video-Page unten) hab ich mich (noch) nicht gezwungen
.
Zum Abschluss noch drei Fragen/Bitten an Macks: Sind die Ergebnisse der großen Gitarristenumfrage, die du vor einiger Zeit durchgeführt hast, schon erhältlich?
Hast du noch die Bandology-pdfs (ich hab sie etwas weiter hinten in deinem Blog gefunden, die Links waren allerdings nicht mehr aktuell) und könntest sie mir schicken?
Und könntest du noch kurz meine Frage vom 2. Juni zwecks Tonabnehmern beantworten?
Vielen, vielen Dank und schöne Grüße,
Syntaxon