Sound of Death I

März 11th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

In letzter Zeit habe ich mich vermehrt mit den Kompositionen von Chuck Schuldiner, dem Lead-Gitarristen von Death und Control Denied auseinandergesetzt, und auszumachen versucht, was seinen Stil so einzigartig macht(e). Dazu galt es natürlich, möglichst alle Aspekte eines Songs zu betrachten, seien es nun Harmonik/Melodik bzw. Rhythmik der Riffs oder die Sahnehäubchen, die Soli.

Im Internet findet man hierzu nur sehr wenig Material. Auf meine Suchanfrage “play guitar riff in style of chuck schuldiner” spuckt Google als eine der wenigen sinnvollen Antworten diese Diskussion im Ultimate-Guitar-Forum aus. Durchaus nützliche Ansätze, und außerdem erkannte ich, dass es die Sache vermutlich erleichtert, wenn ich die Tabulaturen einiger Songs durchgehe und weniger mit meinem Ohr arbeite, das spart einfach Zeit und außerdem fällt zB das Runterstimmen auf D weg.

Bevor jetzt richtig losgelegt wird, noch ein paar allgemeine Worte. Ich schreibe diese Reihe für Gitarristen, die sich entweder für den Stil von Chuck oder generell für progressive, zeitlose Metalkonzepte interessieren. Ich hoffe, dass sich so vielleicht noch weitere Musiker finden, die ähnliche Stilrichtungen verfolgen wollen.

Musik hängt, wie jede Art von Kunst, allein vom Betrachter ab. Wenn jemand also kundtut, “Chuck Schuldiners Stil gefällt mir sehr gut”, dann ist das eine subjektive Meinung. So gehts mir auch, weswegen ich eben, dieser Musik auf den Grund gehen will. Ich möchte andererseits Chucks Musik auf keinen Fall zerfleddern oder schlichtweg kopieren. Klar, man muss sich bewusst sein, dass sich trotz tiefer Theoriekenntnisse die “besten” Ideen genauso vor einem “verstecken” können.

Über die Jahre hinweg hat sich der Sound von Death sehr gewandelt, viele sagen freilich “entwickelt”. Im Folgenden betrachte ich die Alben ab “Spiritual Healing”. Während dieses wohl noch den rauen Sound der Vorgänger trägt und gerade im Rhythmusbereich (zB Drums) sehr eingängig ist, tragen auf “Human” und “Individual Thought Patterns” alle Instrumente zu progressiven Gesamtbild zu. “Symbolic” und “The Sound of Perseverance” fallen wiederum recht viel melodischer, aber nichtsdestoweniger abwechslungsreich mit Clean-Parts sowie Richard Christys Drumming of TSoP. Man sieht also, dass sich der “Sound of Death” keineswegs auf das Gitarrenspiel von Chuck allein reduzieren lässt, auch wenn dies für die meisten das Herausstechende ist. Sämtliche Gitarristen, Bassisten und Schlagzeuger, die je auf diesen Alben mit Chuck gespielt haben, trugen mit ihrer Virtuosität und der Beherrschung ihres Instruments wesentlich zum hochgelobten Sound of Death bei. Ob jetzt also Gene Hoglans oder Sean Reinerts Fills, Steve DiGiorgios Basslinien oder Paul Misdivals Leadspiel – ich denke, ihr versteht, was ich meine.

Ziemlich viel Gerede/Geschreibe für den Anfang… Nächstes Mal soll es um den Aufbau von Death-Riffs gehen.

Bis dann, Syntaxon

(hoffentlich) released in 2011…

Februar 8th, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Vor einigen Wochen hab ich schon darüber gebloggt, heute gibts eine kleine Fortsetzung: CD-Veröffentlichungen im laufenden Jahr 2011.

Fangen wir bei den Instrumentalern von Scale the Summit an. Ihr neues, drittes Opus “The Collective” wird am 3. März erscheinen. Was erwartet uns? STS gewähren sowohl Einblick in die Aufnahmearbeiten

als auch in ein musikalisches Produkt davon – “Whales”, der zweite Track, am besten hier reinhören.

The Collective - Coverart

The Collective - Coverart

Hokum werden am 9. April ihr Album “The Creation of Pain” auf dem Moosburger Assault Fest III präsentieren. Jüngst haben sie einen Plattendeal mit GoodDamn Records abgeschlossen (ein neu gegründetes Metallabel). Einen weiteren musikalischen Vorgeschmack gibt es in Form von “Blacken” auf ihrer Myspace-Seite. Eindeutig weiterzuempfehlen!

The Creation of Pain - Coverart

The Creation of Pain - Coverart

Auch von den alten Bekannten Control Denied gibt es gute Neuigkeiten. Wie (Ex-)Manager Eric Greif auf emptywords.org mitteilt, wird mit Hochdruck daran gearbeitet, das zweite Album “When Man and Machine Collide” noch dieses Jahr unter die Meute zu bringen. Die ehemaligen Bandmitglieder erklärten sich bereit, die Arbeit, welche durch Chucks Tod so jäh unterbrochen worden war, wiederaufzunehmen.

Außerdem erschien Anfang Februar eine neu abgemischte Version von “The Sound of Perseverance” von Death, und auch “Human” wurde mit neuen Mitteln (und den alten Sean Reinert und Paul Masdival) neu aufgenommen und wartet auf seinen Release.

Ebenfalls ganz frisch im Metal-Jahr 2011 ist die Scheibe “Tiurida” vom Ein-Mann-Projekt Falkenbach. Ganz unerwartet (so kommts mir vor) taucht sie auf, geboten wird eingängiger, epischer Viking Metal, ganz wie mans kennt (hab noch nicht groß reingehört, deswegen an dieser Stelle keine weitere Kritik). Am besten wohl Augen zu und genießen. Viel Spaß!

Keeping the metal faith alive…

Januar 23rd, 2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Heute gibts ein eher kurzes Update von meiner Seite. Zivi und Uni halten mich nach wie vor auf Trab.

Ich möchte euch zwei Bands vorstellen, die offensichtlich stark von Death beeinflusst sind (und – logisch – mir aus ebendiesem Grund sehr gut gefallen): Illogicist und The Unchallenged.

Illogicist stammen aus Norditalien und bringen eine Mischung, die eher in der Tradition der Death-Alben Human oder ITP steht. Mit Melodielinien in ungewöhnlichen Taktarten erinnern sie mich auch an Obscura (doch zu diesen Kollegen komme ich später noch). Bisher sind zwei Alben und zwei EPs von ihnen erschienen, im August vergangenen Jahres wurde mit den Aufnahmen für ihr drittes Werk begonnen. Am besten ist vermutlich einfach ein Songbeispiel in den Raum gestellt:

The Unchallenged stammen ursprünglich aus Thüringen, doch heute “the band members are scattered all over Germany”, wie es auf ihrer Website so schön heißt. Bei ihnen ist ein wesentlich stärker Thrash-Metal-Einfluss festzustellen, insgesamt etwas “direkter” als die Italiener. Nichtsdestotrotz rufen die ausgedehtnten Soli-Passagen herrliche Erinnerungen an so manches Death-Solo hervor, wie z.B. hier in “Empire of Insanity”:

Sie haben bisher ein Album und zwei Demos veröffentlicht, momentan ist es allerdings – wenn man die letzten Updates auf ihrer Homepage betrachtet, eher still um die vier.

So, jetzt aber zu Obscura und einigen Neuigkeiten von ihrem dritten Zögling “Omnivium”, der Anfang April erscheinen wird. Auf ihrer Myspace-Seite gibt es das Album-Artwork zu sehen und als erste Kostprobe den Song “Septuagint” zu hören, ich finde, ganz im Stile von “Cosmogenesis”:

Ich bin wirklich gespannt auf das gesamte Album und auch auf ihren Auftritt in Landshut (in meiner Reichweite ^^) am 6.März.

Bis demnächst, Syntaxon

Wochenrückblick V – Riffffs VII

August 23rd, 2010 § 1 Kommentar

Bin weiterhin fröhlich am Üben, meistens abends, da ich tagsüber das endlich wieder freundlichere Wetter genieße.

Inzwischen haben sich mir ein paar Fragen aufgedrängt, was die Haltung betrifft:

  • Ich spiele z.B. den Bundsatz 1-2 mit dem Ringfinger und kleinen Finger vertikal das Griffbrett hoch, verschiebe das Ganze um einen Bund in Richtung Steg usw. Was soll ich mit meinen anderen beiden Finger machen? Momentan mache ich es so, dass ich den Mittelfinger krümme und neben mit Ringfinger mitbewege. Ich meine mal gelesen zu haben, das Mittel- und Ringfinger anatomisch gesehen eng beieinander liegen… Den Zeigefinger lege ich daneben, ähnlich wie bei einem Barrégriff, quer übers Griffbrett auf die Saiten. Damit dämpft er die Saiten prima ab, und man hört kaum Nebengeräusche von versehentlich berührten Saiten. Die Frage ist halt, ob die so richtig ist oder ob man immer Zeige- und Mittelfinger neben den spielenden zwei Fingern mitbewegen sollte… Probiert die Übung doch mal aus, welches Herangehen findet ihr am natürlichsten?
  • Wenn ich mich in Regionen jenseits des 12. Bundes befinde, also nahe am Steg, und dort Skalen, Licks usw spiele, stört es mich, dass meine linker Arm, also der der Greifhand, durch meine linke Körperseite daran gehindert wird, diese Bundregionen zu erreichen. Deshalb muss ich ihn aus ziemlich unnatürlich Art und Weise abwinkeln. Wie umgeht ihr dieses Problem? Die Gitarre steiler auf den linken Oberschenkel stellen oder den Hals nach vorne drücken, so dass der Korpus der Gitarre nicht mehr am Körper anliegt? Oder liegt das vielleicht an verschiedenen Gitarren-Bauarten (Hinweis an dieser Stelle: ich spiele eine Ibanez S 420)?

Vielen Dank für eure Berichte, Tipps usw schon im Voraus!

Und damit niemand denkt, die Riffff-Serie wäre ausgestorben, im Gegenteil. Heute gibts das Clean-Intro von Deaths “Lack of Comprehension” vom legendären Human-Album (1991).

Das Intro ist wirklich nicht kompliziert, man kann es sogar auf E standard spielen. Hier mal die Tabs (E Standard): Lack of Comprehension Intro

Mit meinen bescheidenen Theoriekenntnissen würde ich behaupten, Schuldiner verwendet hier den Tonvorrat der d-moll-Skala. Die zwei Powerchords sind Bb5 und A5, die kleine Sexte bzw die Quinte zum Grundton D, gerade ersteres sehr gebräuchlich in Moll-Kadenzen. In Läufen werden folgende Töne verwendet:

b – c – d – e – f – g – a – bb

Der unterstrichene Part ist ganz klar d-moll, irritiert hat mich allerdings das b (englische Schreibweise, deutsch h), das Schuldiner gleich am Anfang spielt. Es ist die große Sexte zu D und – wie ich nach kurzer Recherche bei Wikipedia herausfand – in der Tonart Melodisch-Moll gebräuchlich.

Ich finde, das Intro hört sich echt gut an, und faszinierend finde ich auch, wie Chuck hier seinen (Moll-) Tonvorrat ganz einfach um das eigentlich ungewöhnliche B erweitert. Ein absoluter Death-Klassiker meiner Meinung nach.

Und – wie schon öfters gesagt – keine Gewähr für die Tabs, kann durchaus mal sein, dass ich mich verhöre. Ich freue mich über Kommentare, Tipps, Kritik, Verbesserungsvorschläge…

Viele Grüße, Syntaxon

Aus dem Alltag eines Übenden – Technical Death Metal

August 17th, 2010 § 5 Kommentare

Ich bin überrascht, wie diszipliniert ich an meinem Übungsplan festhalte – trotz anderthalbstündigem Üben fühle ich mich zufrieden, und das jeden Tag aufs Neue. Vielleicht liegts daran, dass ich mich wirklich nicht überfordere. Denn die Fingerübungen spiele ich auf 50-65 bpm (Achtel). Jeden Tag erhöhe ich um ein bpm, mal sehen wo ich in zwei monaten bin :-D ! Außerdem sind die trockenen Übungen ja mit genügend Jam gewürzt.

Gestern habe ich mich bei einem potentiellen Gitarrenlehrer erkundigt. Eine Viertelstunde lang haben wir uns ganz nett unterhalten – Mitte September, wenn die Schule wieder beginnt, kann ich mal eine halbe Stunde “Schnuppern”, sein Proberaum ist praktischerweise gleich bei mir um die Ecke.

Da ich momentan etwas auf der Death-Schiene bin und die Alben Human oder Individual Thought Patterns hoch- und runterhöre, habe ich mich nach Bands umgesehen, die in eine ähnliche Kerbe schlagen: schnell, brutal, aber gleichzeitig mit raffinierten Rhythmen und Melodien ausgestattet. Die passende Schublade heißt Technical Death Metal. Vorreiter wie Death, Atheist oder Cynic haben sich aufgelöst oder sind wie letztere von der härteren Gangart zurückgeschritten.

Aus Altbayern grüßen beispielsweise Obscura, eine hochkarätig besetzte Truppe, mit feinem Metal. Besonders der sechssaitige bundlose Bass verzückt mich immer wieder. Ihr aktuelles Album heißt Cosmogenesis, das insgesamt zweite, aufgenommen nach einem totalen Line-Up-Wechsel. Hier mein aktueller Favorit von ihnen, im Stile DEATHs:

Dann las ich kürzlich von Decrepit Birth aus Kalifornien und besuchte im Anschluss ihre Myspace-Seite. Ein äußerst feiner Mix aus brachialen Vocals und Gitarren, gemischt mit Akoustik-Gitarren-Parts, progressiven Instrumentalpassagen und filigranen Soli (imho). Die ersten Songs auf ihrer Myspace-Seite vom neuen Album Polarity haben es mir mit ihrem Abwechslungsreichtum sofort angetan. Wer seit Jahren um Chuck Schuldiner und Death trauert, sollten diesen beiden Bands unbedingt Gehör schenken!

Riffffs V – Death – Phrygisch-Dominante Tonleiter

Juli 25th, 2010 § 2 Kommentare

Da bin ich mal wieder – die letzten Tage wars still, da ich mich viel mit einem Theaterprojekt beschäftigt habe (Montag bis Mittwoch sind Aufführungen)…

Nichtsdestotrotz hier ein neues Riffff, anhand dessen ich den eingeschlagenen “Moll”-Weg etwas verlassen will und mal etwas experimentelleres vorstelle.

Und zwar was ganz edles meiner Meinung nach: Crystal Mountain vom Album Symbolic (1995) von Death – ein Wahnsinnsalbum, ein Klassiker jagt den nächsten.

Doch jetzt soll es hier eher darum gehen, wie sich Chuck vom klassischen Tonarten-Verständnis löst und einfach spielt, was ihm taugt. Die Tabs der ersten acht Takte: Death – Crystal Mountain Intro Ich muss gestehen, dass das diesmal größtenteils aus Ultimate Guitar abgeschaut ist, denn gerade die letzten zwei Takte haben sich mir nicht erschlossen^^.

Tuning ist D-Standard, wer jetzt allerdings nicht covern will, kann natürlich in einer beliebigen Stimmung spielen.

Die Sequenz besteht aus vier Teilen I – II – I – III, die jeweils aus zwei Takten bestehen. In I ist im Bass die leere D-Saite, und darauf dann die Powerchords D5 und C#5 (Halbtonschritt auseinander). In II folgen die Powerchords A5 – G#5 – D#5 – F5 (Quinte – Tritonus (verminderte Quinte) – kleine Sekunde – kleine Terz) im Bezug auf den Grundton D. Das kann ich  – ehrlich gesagt – harmonisch überhaupt nicht deuten, obwohl es doch insgesamt gar nicht dissonant oder unangenehm klingt. Typisch für Schuldiners Spiel sind allerdings die Halbtonschritte D5 – C#5, A5 – G#5 und auch D – D#5 sowie die Quartkadenz G#5 – D#5.

Teil I wird wiederholt, dann folgt – worauf ich eig die ganze Zeit hinauswill – eine wunderbare Tonleiter in Teil III, die rein gar nichts mit Dur oder moll zu tun hat. Es handelt sich um eine sog. phrygisch-dominante Skala (auch Zigeunermoll-Tonleiter genannt). Mit dem Grundton E schaut das so aus:

e|----------------|-----------------|
B|----------------|-----------------|
G|----------5-7-9-|-7-5-------------|
D|----6-7-9-------|-----9-7-6-------|
A|7-8-------------|-----------8-7-5-|
E|----------------|-----------------|

Dieses Pattern lässt sich recht einfach einprägen. Die Töne sind E - F - G# - A - B - C - D - E. Charakteristisch sind die zwei Halbtonschritte am Anfang und die kleine Terz dazwischen. Das gibt dem ganzen einen mystisch - exotisch - orientalischen Klang. Ich muss sagen, ich hab die Tonleiter inzwischen wirklich lieb gewonnen, weil sie eine perfekte Abwechslung zum - manchmal langweiligen - Moll zB ist. Wird oft im Metal verwendet (zB Maidens Powerslave im Intro).

Das wars dann auch schon wieder, viel Spaß damit, mich ziehts wieder zum Theater.

Schönen Sonntag noch, Syntaxon

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