30. Eintrag – Halbjähriges – Jazzstandard: Blue Bossa

September 25th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Es war einmal im März 2010, da zog ein Schüler in die Gitarrenblog-Welt ein, nannte sich Syntaxon und gab von da an seinen Senf zu allem Möglichen, was sich um die Gitarre und seine Erfahrung mit diesem mächtigen Instrument drehte. Egal ob Theorie, Praxis, Technik, Equipment, Metal, Rock, Jazz, Blues – selten blieb ein Thema unaangesprochen, das ihn bewegte.

Und so wird es auch hoffentlich bleiben! Genau ein halbes Jahr ist es her, dass ich dieses Tagebuch veröffentlicht habe, und darüber hinaus ist dies mein 30. Blogeintrag!

Heute berichte ich mal wieder von einer Gitarrenstunde bei Karl. Wir vertieften zunächst die dorische Tonleiter, sprachen dann über Akkorde mit Erweiterungen (Septime, None, Undezime, Tredezime) und als wir schon beinahe am Ende angelangt waren, erwähnte ich noch mein Interesse an Jazz-Standards… Also gingen wir gemeinsam “Blue Bossa” von Kenny Dorham durch, ein gängiger Jazz-Standard in C-moll, den vielleicht ein paar von euch schon mal im Ohr hatten (hier eine Version mit Tenorsaxophonist Dexter Gordon):

Die Akkord-Progression ist wie folgt:

Cm7 | Cm7 | Fm7 | Fm7 || Dm7b5 | G7b9 | Cm7 | Cm7 || Ebm7 | Ab7 13 | Db maj7 | Db maj7 || Dm7b5 | G7b9 | Cm7 | Dm7b5  G7b9 |||

Das schaut jetzt sehr verschlüsselt aus, und auch ich wäre ohne Akkorddiagramme aufgeschmissen. Ich werde sie auf jeden Fall noch posten, doch zunächst solls mal in die Theorie gehen. Tonart ist wie gesagt C-moll, also sind die ersten vier Takte paarweise Tonika – Subdominate (IV. Stufe). Dm7b5 ist die II. Stufe der Moll- und damit die VII. Stufe der Durtonleiter. Er ist ein verminderter Akkord und besteht deshalb aus kleinen Terzen (D -Ff – Ab), zu erwähnen ist auch der Tritonus (oder flat five b5) D – Ab. G7b9 ist die Dominante zu C und steht deshalb in Dur, die kleine None (entspricht Oktave + kleine Sekunde) Ab bringt Dissonanz in das Ganze. Man landet auf Cm7, was insgesamt eine II-V-I-Progression in moll darstellt. Es folgt eine II-V-I-Progression in der Tonart Db (ein Ganzton tiefer als die zu Cm parallele Tonart Eb, Info zu dieser Progression auch hier). Schließlich wieder der Abschluss mit bekannten Akkorden. Zum Improvisieren eignen sich c-natürlich-moll, c-harmonisch-moll und Db-Dur (entsprechend Bb-moll). Wie gesagt, das ganze werde ich später noch etwas ausführen, euch so lange viel Spaß beim Spielen und (hoffentlich) dem Lesen der nächsten 30 Einträge!

Gruß, Syntaxon

/edit: Akkorde von Blue Bossa

   Cm7  Fm7 Dm7b5 G7b9 Ebm7 Ab713 Dbmaj7
e|--------------------------------------|
H|--8----8----6----3----6----6----6-----|
G|--8----8----5----1----6----5----5-----|
D|--8----6----6----3----4----4----6-----|
A|-------8----5----2----6---(6)---4-----|
E|--8------------------------4----------|

Zum ersten Mal… Gitarrenunterricht!

September 20th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Ja, es ist so weit!

Nach etwa eineinhalb Jahren verlasse ich die Horde der Autodidakten und wende mich an einen professionellen Gitarrenlehrer. Am Freitag betrat ich zum ersten Mal den Proberaum von Karl, der seit einigen Jahren Privatunterricht hier in der Stadt gibt. Obwohl wir schon öfters telefoniert hatten, war ich natürlich aufgeregt, was sich dann aber spätestens beim Jam legte :D . Zunächst tauschten wir uns über musikalische Vorlieben, Ziele, Vorbilder und über das, was ich theoretisch schon kannte und konnte. Ich spielte ein paar Riffs und Licks vor (verhaspelte mich natürlich) und dann kamen – wie erwartet – ein paar Korrekturen zur Haltung. Beispielsweise halte ich meinen linken Daumen gelegentlich fast parallel zu den Saiten bzw. links vom Zeigefinger, er gehört eher auf Höhe des Mittelfingers platziert. Dann ergibt sich auch das Abdämpfen der hohen Saiten mit dem Zeigefinger wie von selbst. Außerdem bewege beim Legatospiel, speziell bei Pull-Offs, die ganze Hand und nicht den “abziehenden” Finger. Anschließend zeigte er mir noch die erweiterte A-moll-Pentatonik (wir hatten nämlich auf einen Blues in A improvisiert). Man fügt zu den Grundtönen a, c, d, e, g die Töne b (kleine Sekunde) und f# (Sexte) hinzu. Damit spielt man die gleichen Töne wie bei G-Ionisch (G-Dur), und da A die zweite Stufe in G ist, spielt man also A dorisch. Außerdem zeigte mir Karl, dass es für ein bluesiges Feeling wichtig ist, bei der Tonika im Hintergrund (hier A) mit der kleinen und großen Terz (c – c#) sowie bei der Dominante (E) mit der kleinen bzw. großen Septime (g – g#) zu spielen/benden.

Man glaubts kaum, aber dann war eine Stunde schon rum…! Mein Eindruck: Auch wenns jetzt erstmal in Richtung Blues geht, ich denke, ich werde auf alle Fälle was lernen, gerade was die Erweiterung meines Tonrepertoires fürs Solospiel angeht. Karl ist kompetent (hat ein professionelles Studium hinter sich), geduldig, flexibel und nicht zu vergessen, recht eloquent =). Ich freu mich schon auf die nächsten Stunden, selbstverständlich werde ich euch auch auf dem Laufenden halten!

Ein schöne Woche, Syntaxon

Aus dem Alltag eines Übenden – Technical Death Metal

August 17th, 2010 § 5 Kommentare

Ich bin überrascht, wie diszipliniert ich an meinem Übungsplan festhalte – trotz anderthalbstündigem Üben fühle ich mich zufrieden, und das jeden Tag aufs Neue. Vielleicht liegts daran, dass ich mich wirklich nicht überfordere. Denn die Fingerübungen spiele ich auf 50-65 bpm (Achtel). Jeden Tag erhöhe ich um ein bpm, mal sehen wo ich in zwei monaten bin :-D ! Außerdem sind die trockenen Übungen ja mit genügend Jam gewürzt.

Gestern habe ich mich bei einem potentiellen Gitarrenlehrer erkundigt. Eine Viertelstunde lang haben wir uns ganz nett unterhalten – Mitte September, wenn die Schule wieder beginnt, kann ich mal eine halbe Stunde “Schnuppern”, sein Proberaum ist praktischerweise gleich bei mir um die Ecke.

Da ich momentan etwas auf der Death-Schiene bin und die Alben Human oder Individual Thought Patterns hoch- und runterhöre, habe ich mich nach Bands umgesehen, die in eine ähnliche Kerbe schlagen: schnell, brutal, aber gleichzeitig mit raffinierten Rhythmen und Melodien ausgestattet. Die passende Schublade heißt Technical Death Metal. Vorreiter wie Death, Atheist oder Cynic haben sich aufgelöst oder sind wie letztere von der härteren Gangart zurückgeschritten.

Aus Altbayern grüßen beispielsweise Obscura, eine hochkarätig besetzte Truppe, mit feinem Metal. Besonders der sechssaitige bundlose Bass verzückt mich immer wieder. Ihr aktuelles Album heißt Cosmogenesis, das insgesamt zweite, aufgenommen nach einem totalen Line-Up-Wechsel. Hier mein aktueller Favorit von ihnen, im Stile DEATHs:

Dann las ich kürzlich von Decrepit Birth aus Kalifornien und besuchte im Anschluss ihre Myspace-Seite. Ein äußerst feiner Mix aus brachialen Vocals und Gitarren, gemischt mit Akoustik-Gitarren-Parts, progressiven Instrumentalpassagen und filigranen Soli (imho). Die ersten Songs auf ihrer Myspace-Seite vom neuen Album Polarity haben es mir mit ihrem Abwechslungsreichtum sofort angetan. Wer seit Jahren um Chuck Schuldiner und Death trauert, sollten diesen beiden Bands unbedingt Gehör schenken!

Übungsplan IV

August 15th, 2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Hallo zusammen,

kaum bringt Macks sein eBook “Fingergymnastik für Gitarristen” raus, habe ich auch schon meinen bisherigen Übungsplan überarbeitet – was für ein Zufall. Ich werde ihn an sechs Tagen einer Woche durchziehen und am siebten ruhen, ach wie biblisch^^. Mein Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Verfeinerung meiner Technik, Kräftigung der Finger und Verbesserung der Fingerunabhängigkeit. Ungefähr eine Stunde lang übe ich also Fingerübungen (Alternate Picking, String Skipping, Bending), zwischen zwei solchen Übungen habe ich eine Legatoübung eingebaut. Zur Lockerung spiel ich Akkorde bzw. Akkordwechsel. Ganz wichtig ist jetzt auch das Aufwärmen vorm Training (Handmassage, Finger-/Sehnendehnen). Außerdem übe ich seit etwa zwei Wochen in meinem eigenen Zimmer und nicht mehr am PC, der im Familienarbeitszimmer steht. Weil ich noch zu faul war, den Verstärker umzuräumen, übe ich mit Kopfhörer über meine Pandora PX 4d. Techniken wie Tapping oder gar Sweeping lasse ich erstmal aus, ich möchte mich wirklich auf das technische “Fundament”  konzentrieren. Ich merke die Fortschritte auch schon, so verwende ich z.B. Bendings viel häufiger bei Improvisationen als zuvor. Schließlich, um die Theorie noch zu vertiefen, spiele ich die Moll-Tonleiter und Moll-Pentatonik in allen Lagen auf dem Griffbrett.

Ich arbeite gerade auch an einer eigenen Komposition, die meinen gegenwärtigen Stand an der Gitarre wiederspiegeln soll. Sie muss nicht unbedingt perfekt sein, aber ich möchte etwas haben, worauf ich hinarbeiten kann, gerade weil ich sonst wenige Stücke spiele, sondern eher Technikübungen. Zudem schaue ich mich gerade nach einem Gitarrenlehrer um! Dass ich offensichtlich das Autodidakten-Dasein verlassen werde, hat wohl mehrere Gründe: der Wille nach Austausch mit einem kompetenten Ansprechpartner, um sich nicht mehr selbst korrigieren zu müssen, um einen Motivationsschub zu erfahren (nicht dass ich das nötig hätte^^), um (noch) sinnvoll(er) zu lernen, etc. Wenn möglich, möchte ich noch im August mit Unterricht anfangen.

Gestern war ich auf kleiner Einkaufstour – vier Plektren und eine Gitarrenpolitur. Dass ich mein Pick auswechsle, war höchste Zeit. Ich habe sofort gemerkt, wie schärfer und genauer mein Anschlag und somit das gesamte Spiel geworden ist. Das alte Pick war doch einige Zeit in Benutzung und inzwischen recht abgenutzt. Mit der Gitarrenpolitur werde ich meine Gitarre regelmäßig pflegen, sie besteht aus rein natürlich Bestandteilen und ist deswegen gerade für den Open-Pore-Korpus meiner Ibanez S420 geeignet. Allerdings bin ich noch auf der Suche nach einem fusselfreien Baumwolltuch^^…

Was gibts sonst noch zu sagen? Ein neues Riffff wirds heut ausnahmsweise nicht geben – der Ferienjob bei der Stadtjugendpflege spannt mich doch so ein, dass neben Üben und Jammen wenig Platz für ein paar Transkriptionen bleibt. Aber es wird wieder was vorgestellt werden, vielleicht von Akrea, Death oder Warbringer…

Machts gut,

Syntaxon

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